Natursteinmauer im Mellinger Rebberg
Ein wichtiger ökologischer Trittstein
Natursteinmauern prägen unsere Landschaften von alters her. Mit ihrer Ästhetik erfreuen sie die Menschen. Als Kleinbiotope bilden sie aber auch gleichzeitig wichtige ökologische Trittsteine in der Kulturlandschaft. Sie offerieren auf engem Raum wertvolle Lebensräume für viele verschiedene Kleintiere mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen. So nisten beispielsweise bestimmte Wildbienen in den Mauerritzen, Reptilien finden Versteck- und Sonnenplätze und spezialisierte Kleinschmetterlinge und Schnecken leben von den darauf vorkommenden Algen, Flechten und Moosen.
Die Generalversammlung des Natur- und Vogelschutzvereins Mellingen (NVM) sprach im März 2019 Fr. 20‘000.- für den Bau einer Natursteinmauer im Mellinger Rebberg an der Rohrdorferstrasse. In der zweiten Oktoberhälfte, nach Abschluss der Weinlese, konnte das Bauwerk fachmännisch errichtet werden. Baumeister Beat Utiger von Creanatira verbaute rund dreissig Tonnen Gletschermaterial, das er vom Kieswerk Müller in Stetten beziehen konnte. Es war dem NVM ein grosses Anliegen, dass regionaler Stein verwendet wird. Zudem schuf das Bauteam auch Nisthöhlen für Kleinsäuger und Vögel.
Am 25. Oktober 2019 freuten sich die ehrenamtlich tägigen Vereinsmitglieder zusammen mit den Grundstückbesitzern an dem schönen Bauwerk. Sie konnten bei noch bestem Herbstwetter mit Melliger Sauvignon blanc darauf anstossen. Roger Fessler überbrachte Grüsse vom Stadtrat und lobte das grosse und vielfältige Engagement der Mellinger Vereine. Im Anschluss an den Apéro wurden die zwanzig Personen von Remy und Erika Stillhart im Gewächshaus von Jenni & Partner mit einem Salatbüffet und feinem Grillgut überrascht.
Steinlinsen für Reptilien im Ebereich
Es war bekannt, dass im Ebereich Reptilien vorkommen, aber wie genau schaut das aus. Zusammen mit dem Biologen Manuel Frei führten wir 2021 unter Leitung von Remy Stillhart eine Reptilienerhebung durch. Dabei konnten drei der vier potenziell im Naturschutzgebiet Ebereich vorkommenden Reptilienarten nachgewiesen werden: Westliche Blindschleiche, Zauneidechse und Barrenringelnatter, kein Nachweis gelang dagegen von der Schlingnatter.
Insgesamt gelangen 264 Blindschleichen-, 97 Zauneidechsen- und 53 Barrenringelnatter-Beobachtungen. Pro Begehung waren das durchschnittlich beinahe neun Beobachtungen von Blindschleichen, über drei Zauneidechsensichtungen und mehr als einen Barrenringelnatter-Nachweis. Werden jeweils die maximale Anzahl an Weibchen, Männchen und Jungtiere zusammen-gezählt, die an einer Begehung gefunden wurden, so kommt man auf eine Populationsgrösse von 38 Blindschleichen, 26 Zauneidechsen und 13 Barrenringelnattern. Das ist sehr konservativ gerechnet. Insbesondere die Zauneidechsen- und Blindschleichen-Population dürfte zwei- bis dreimal so gross sein.
Schwalbenhotel
Projekt zur Förderung von Uferschwalben
Der Natur- und Vogelschutzverein Mellingen realisierte im Januar 2018 im Gebiet Ebereich eine Sandaufschüttung für Uferschwalben
Die Uferschwalbe brütete ursprünglich an natürlichen Prallhängen dynamischer Flüsse wie der Reuss, wo sie ihre Brutröhren in senkrechte Wände grub. Mit der
Gewässerverbauung im 19. Jahrhundert verschwand der Primärlebensraum zusehends. Aus diesem Grund will der Natur- und Vogelschutzverein Mellingen die verletzliche Vogelart mit seinem Projekt
fördern.
Thomas Lang
Präsident Natur- und Vogelschutzverein Mellingen
Impressionen vor dem Bau
Impressionen der Realisierung